Rendite richtig messen: einfache Rendite, TTWROR und interner Zinsfuß
„Wie viel Rendite hat mein Depot gemacht?“ klingt nach einer einfachen Frage. Sobald man aber regelmäßig Geld einzahlt, Teile verkauft oder Dividenden entnimmt, gibt es mehrere korrekte Antworten – je nachdem, was man eigentlich wissen möchte. Dieser Artikel erklärt die drei wichtigsten Methoden und zeigt an einem Beispiel, wie stark sie voneinander abweichen können.
1. Die einfache Rendite
Die einfachste Rechnung setzt den Gewinn ins Verhältnis zum eingesetzten Kapital:
Rendite = (Endwert − eingezahltes Kapital) ÷ eingezahltes Kapital
Solange man einmal investiert und danach nichts mehr verändert, ist das völlig in Ordnung. Problematisch wird es bei Ein- und Auszahlungen: Geld, das erst vor einer Woche eingezahlt wurde, hatte kaum Zeit, Rendite zu erwirtschaften, zählt in dieser Formel aber genauso wie Geld, das seit Jahren investiert ist. Die einfache Rendite berücksichtigt außerdem nicht, über welchen Zeitraum sie entstanden ist – 20 % in einem Jahr sind etwas anderes als 20 % in zehn Jahren.
2. Die zeitgewichtete Rendite (TTWROR)
Die True Time-Weighted Rate of Return blendet den Einfluss von Ein- und Auszahlungen aus. Dazu wird der Betrachtungszeitraum an jedem Geldfluss in Teilperioden zerlegt. Für jede Teilperiode wird die Rendite berechnet, anschließend werden alle Teilrenditen miteinander multipliziert („verkettet“):
TTWROR = (1 + r₁) × (1 + r₂) × … × (1 + rₙ) − 1
Das Ergebnis beantwortet die Frage: Wie gut haben sich meine Anlagen entwickelt – unabhängig davon, wann ich wie viel Geld eingezahlt habe? Genau deshalb verwenden Fondsgesellschaften diese Methode, um die Leistung eines Fonds mit einem Index zu vergleichen. Der Fondsmanager hat keinen Einfluss darauf, wann Anleger:innen Geld bringen oder abziehen.
3. Der interne Zinsfuß (IZF, XIRR)
Der interne Zinsfuß – in Tabellenkalkulationen als XIRR bzw. XINTZINSFUSS bekannt – ist eine geldgewichtete Rendite. Er sucht den einen jährlichen Zinssatz, bei dem alle Einzahlungen, Auszahlungen und der heutige Depotwert rechnerisch aufgehen. Er berücksichtigt also, wann wie viel Geld investiert war.
Der IZF beantwortet eine andere Frage: Welche Verzinsung hat mein tatsächlich eingesetztes Geld erzielt – inklusive meiner Entscheidungen, wann ich ein- und ausgestiegen bin? Wer kurz vor einem Kursrückgang viel nachkauft, wird beim IZF „bestraft“, wer in einem Tief nachkauft, „belohnt“.
Ein durchgerechnetes Beispiel
Angenommen, Sie investieren am Jahresanfang 10.000 €. Im ersten Jahr steigt das Depot um 10 % auf 11.000 €. Zu Beginn des zweiten Jahres zahlen Sie weitere 10.000 € ein, das Depot steht damit bei 21.000 €. Im zweiten Jahr fällt es um 10 % auf 18.900 €.
| Methode | Ergebnis | Interpretation |
|---|---|---|
| Absoluter Gewinn | −1.100 € | 18.900 € Endwert bei 20.000 € Einzahlungen |
| Einfache Rendite | −5,5 % | auf das gesamte eingezahlte Kapital, ohne Zeitbezug |
| TTWROR (gesamt) | −1,0 % | 1,10 × 0,90 − 1: die Anlage selbst hat fast nichts verloren |
| IZF / XIRR | ca. −3,7 % p. a. | das größere zweite Investment fiel genau in das schwache Jahr |
Alle vier Zahlen sind korrekt. Die TTWROR zeigt, dass die gewählten Wertpapiere über zwei Jahre nahezu stabil waren. Der IZF zeigt, dass das Timing der Einzahlung ungünstig war. Wer nur auf eine der Zahlen schaut, zieht leicht falsche Schlüsse.
Welche Kennzahl wofür?
- Vergleich mit einem Index oder ETF: TTWROR. Nur so ist der Vergleich fair, denn auch die Indexrendite enthält keine persönlichen Ein- und Auszahlungen.
- „Hat sich mein Investieren gelohnt?“: IZF. Er bildet die persönliche Erfahrung inklusive Timing ab und lässt sich mit einem Sparbuchzins vergleichen.
- Schneller Überblick bei Einmalanlage: einfache Rendite – dann sind alle Methoden nahezu identisch.
Häufige Stolperfallen
- Dividenden vergessen: Wer ausgezahlte Dividenden nicht erfasst, unterschätzt die Rendite systematisch, besonders bei ausschüttenden ETFs.
- Gebühren und Steuern: Ordergebühren und einbehaltene Steuern mindern die tatsächliche Rendite und sollten mit erfasst werden.
- Kurze Zeiträume annualisieren: 8 % in drei Monaten hochgerechnet auf ein Jahr ergeben über 36 % – eine wenig aussagekräftige Zahl.
- Währungseffekte: Bei US-Aktien hängt die Rendite in Euro auch vom Wechselkurs ab.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen TTWROR und IZF in einem Satz?
Die zeitgewichtete Rendite (TTWROR) misst, wie gut die Anlagen selbst gewirtschaftet haben, unabhängig vom Zeitpunkt Ihrer Ein- und Auszahlungen; der interne Zinsfuß (IZF/XIRR) misst, wie Ihr tatsächlich eingesetztes Geld verzinst wurde – inklusive Ihres Timings.
Warum zeigt mein Broker eine andere Rendite als meine Auswertung?
Es gibt mehrere korrekte Renditen. Broker verwenden unterschiedliche Methoden, berücksichtigen Dividenden, Gebühren und Steuern teils nicht oder rechnen einfach auf das eingesetzte Kapital. Entscheidend ist, die Methode zu kennen, bevor man Zahlen vergleicht.
Warum ist meine Rendite niedriger als die des ETFs, den ich gekauft habe?
Typische Gründe: Zukäufe kurz vor Kursrückgängen (wirkt im IZF), nicht erfasste Dividenden, Gebühren, Steuern und Währungseffekte. Die Indexrendite enthält keine persönlichen Ein- und Auszahlungen und keine Kosten des Brokers.
Wie rechne ich eine einfache Jahresrendite nach?
Bei einer Einmalanlage ohne Zwischenzahlungen genügt die jährliche Wachstumsrate (CAGR): (Endwert ÷ Anfangswert)1/Jahre − 1. Das erledigt der Renditerechner samt Inflationsabzug.
Quellen
- CFA Institute: Global Investment Performance Standards (GIPS)
- Europäische Zentralbank: Das Inflationsziel von 2 %
Pendrai berechnet aus Ihren erfassten Käufen, Verkäufen und Dividenden den internen Zinsfuß (XIRR) und stellt die Entwicklung Ihres Portfolios einem Vergleichsindex gegenüber. Der Backtest-Rechner weist zusätzlich die zeitgewichtete Rendite aus.
Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Anlage-, Finanz- oder Steuerberatung dar. Investitionen in Wertpapiere und Kryptowährungen sind mit Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse.
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