Sparplan und Cost-Average-Effekt: Was er leistet und was nicht

Ein Sparplan investiert regelmäßig einen festen Betrag – zum Beispiel 200 € pro Monat in einen ETF. Das ist einfach, diszipliniert und für viele der beste Einstieg in den Vermögensaufbau. Oft wird er mit dem „Cost-Average-Effekt“ beworben. Dieser Effekt existiert, wird aber häufig überschätzt.

Was ist der Cost-Average-Effekt?

Bei einem festen Sparbetrag kauft man bei niedrigen Kursen automatisch mehr Anteile und bei hohen Kursen weniger. Dadurch liegt der durchschnittliche Kaufpreis pro Anteil unter dem durchschnittlichen Kurs im selben Zeitraum.

MonatKursSparrateGekaufte Anteile
1100 €300 €3,00
275 €300 €4,00
3125 €300 €2,40
SummeØ 100 €900 €9,40

Der durchschnittliche Kurs lag bei 100 €, der durchschnittliche Kaufpreis aber bei 900 € ÷ 9,40 ≈ 95,74 €. Mathematisch ist das der Unterschied zwischen dem harmonischen und dem arithmetischen Mittel – und das harmonische Mittel ist bei schwankenden Kursen immer kleiner.

Was der Effekt nicht leistet

Der Vergleich mit dem Durchschnittskurs ist allerdings nicht die relevante Frage. Wer bereits einen größeren Betrag zur Verfügung hat, muss sich entscheiden: alles sofort investieren (Einmalanlage) oder schrittweise über einen Sparplan. Da Aktienmärkte historisch häufiger gestiegen als gefallen sind, lag die Einmalanlage in Untersuchungen – etwa einer viel zitierten Vanguard-Studie aus dem Jahr 2012 – in rund zwei Dritteln der betrachteten Zeiträume vorne. Das gestaffelte Investieren reduziert vor allem das Risiko, unglücklich kurz vor einem Einbruch alles auf einmal anzulegen.

Anders gesagt: Der Cost-Average-Effekt ist kein Renditetrick, sondern eine Form der Risikostreuung über die Zeit – mit einem Preis in Form einer im Mittel etwas niedrigeren erwarteten Rendite.

Warum der Sparplan trotzdem so gut funktioniert

Einen Sparplan sinnvoll aufsetzen

  1. Zuerst der Notgroschen: Drei bis sechs Monatsausgaben auf einem Tagesgeldkonto verhindern, dass man in einer Krise zum ungünstigsten Zeitpunkt verkaufen muss.
  2. Breit gestreuten Kern wählen: Ein oder zwei weltweit streuende ETFs reichen für die meisten völlig aus.
  3. Kosten prüfen: Bei kleinen Raten fallen feste Ordergebühren stark ins Gewicht. Viele Broker bieten kostenlose oder sehr günstige Sparpläne an.
  4. Ausführungstermin: Der Tag im Monat spielt langfristig praktisch keine Rolle. Wichtig ist, dass genug Geld auf dem Verrechnungskonto liegt.
  5. Rate regelmäßig anpassen: Bei Gehaltserhöhungen die Sparrate mitwachsen lassen – das wirkt langfristig stärker als jede Optimierung beim Produkt.
  6. Nicht bei jedem Rückgang pausieren: Gerade dann kauft der Sparplan günstig ein.

Wie viel kommt am Ende heraus?

Bei 200 € monatlich über 25 Jahre zahlt man 60.000 € ein. Mit einer angenommenen Rendite von 6 % pro Jahr wächst das Depot auf etwa 138.000 €, bei 4 % auf rund 103.000 €. Solche Rechnungen sind Modellannahmen – reale Renditen schwanken und vergangene Entwicklungen sind keine Garantie für die Zukunft. Sie zeigen aber, wie stark Zeit und Regelmäßigkeit wirken.

Häufige Fragen

Ist ein Sparplan besser als eine Einmalanlage?

Nicht grundsätzlich. Liegt der Betrag bereits vor, war eine sofortige Einmalanlage in der Vergangenheit häufiger vorne, weil die Märkte im Durchschnitt steigen. Ein Sparplan senkt das Risiko, zum ungünstigsten Zeitpunkt einzusteigen, und passt zu laufendem Einkommen. Der Sparplan ist vor allem eine Disziplin, kein Renditetrick.

Wie hoch sollte die Sparrate sein?

So hoch, dass Sie sie auch in schwachen Monaten durchhalten. Eine Rate, die nach einem Börsenrückgang gestoppt werden muss, schadet mehr als eine kleinere, aber stetige. Mit dem Sparplanrechner sehen Sie, wie sich verschiedene Raten über die Jahre auswirken.

Wann sollte ich einen Sparplan nicht abbrechen?

Sinkende Kurse sind kein Grund, ihn zu stoppen: In dieser Phase werden mit derselben Rate mehr Anteile gekauft. Bei einer Änderung der persönlichen Lage (Notgroschen aufgebraucht, Schulden) kann ein Pausieren sinnvoll sein.

Wirkt der Cost-Average-Effekt immer?

Er senkt den durchschnittlichen Einstandspreis gegenüber dem Durchschnitt der Kurse, wenn die Kurse schwanken. Er schützt aber nicht vor Verlusten: Fällt der Markt dauerhaft, verliert auch ein Sparplan.

Quellen

So hilft Pendrai

Mit den Rechnern in Pendrai lassen sich Sparziele und Renditeannahmen durchspielen. Der Backtest-Rechner zeigt, wie sich eine Anlage mit echten historischen Kursen entwickelt hätte.

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Anlage-, Finanz- oder Steuerberatung dar. Investitionen in Wertpapiere und Kryptowährungen sind mit Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse.

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