Diversifikation richtig verstehen: Klumpenrisiken erkennen und vermeiden

„Lege nicht alle Eier in einen Korb“ – die Grundidee der Diversifikation ist alt und einleuchtend. In der Praxis ist sie aber subtiler, als sie klingt. Ein Depot mit zwanzig Positionen kann schlechter gestreut sein als eines mit nur einem einzigen, breiten Welt-ETF.

Warum Streuung funktioniert

Das Risiko einer einzelnen Aktie setzt sich aus zwei Teilen zusammen: dem unternehmensspezifischen Risiko (ein Produkt floppt, das Management versagt, ein Skandal) und dem Marktrisiko (Rezession, Zinsänderungen, Krisen). Das unternehmensspezifische Risiko lässt sich durch Streuung über viele Unternehmen weitgehend wegdiversifizieren, weil sich gute und schlechte Einzelereignisse ausgleichen. Das Marktrisiko dagegen bleibt – es ist der Preis für die langfristig höhere Renditeerwartung von Aktien.

Die Rolle der Korrelation

Entscheidend ist nicht die Anzahl der Positionen, sondern wie ähnlich sie sich bewegen. Die Korrelation misst diesen Zusammenhang auf einer Skala von −1 bis +1:

Zehn große US-Technologieaktien sind untereinander hoch korreliert. Sie fallen in einem Abschwung des Sektors meist gemeinsam. Eine Kombination aus Aktien verschiedener Regionen, Branchen und Anlageklassen streut deutlich besser. Zu beachten: In akuten Krisen steigen Korrelationen häufig an – Streuung schützt dann weniger, als ruhige Phasen vermuten lassen.

Versteckte Klumpenrisiken

Überlappende ETFs

Ein MSCI World ist zu rund 70 % in US-Aktien investiert, und die größten Positionen sind dieselben Technologiekonzerne, die auch den S&P 500 und den Nasdaq-100 dominieren. Wer alle drei ETFs besitzt, hält dieselben Unternehmen mehrfach und erhöht unbewusst den Anteil weniger Konzerne.

Heimatmarkt-Neigung (Home Bias)

Viele Anleger:innen gewichten Unternehmen aus dem eigenen Land deutlich stärker, als es deren Anteil an der Weltwirtschaft entspricht. Österreich macht weniger als 0,1 % der weltweiten Börsenkapitalisierung aus. Ein hoher Anteil heimischer Aktien ist daher eine bewusste Wette – kein neutraler Ausgangspunkt.

Arbeitgeber- und Branchenrisiko

Wer in der Bankbranche arbeitet und zusätzlich viele Bankaktien besitzt, ist in einer Bankenkrise doppelt betroffen: beim Einkommen und beim Vermögen. Auch Mitarbeiteraktien des eigenen Arbeitgebers sollten bewusst begrenzt werden.

Währungsrisiko

Ein weltweit gestreutes Aktiendepot ist zu großen Teilen in US-Dollar notiert. Kurzfristig können Wechselkursschwankungen die Euro-Rendite deutlich beeinflussen. Über lange Zeiträume gleichen sich Währungseffekte häufig teilweise aus, garantiert ist das jedoch nicht.

Asset Allocation: die wichtigste Entscheidung

Die grundlegende Aufteilung zwischen risikoreichen Anlagen (Aktien, Krypto) und risikoarmen Anlagen (Tagesgeld, kurzlaufende Anleihen guter Bonität) bestimmt den Großteil der Schwankungen eines Depots. Sie sollte sich an der persönlichen Situation orientieren: Anlagehorizont, Notgroschen, sichere Einnahmen und – oft unterschätzt – wie gut man Verluste emotional aushält. Wer bei einem Rückgang von 30 % in Panik verkauft, hatte eine zu riskante Aufteilung, auch wenn sie auf dem Papier optimal aussah.

Rebalancing

Mit der Zeit verschiebt sich die Aufteilung von selbst: Was gut läuft, wächst und wird übergewichtet. Rebalancing bringt das Depot wieder auf die Zielgewichtung. Gängige Varianten:

Checkliste

Beispiel: Wie ein Klumpenrisiko wirkt

Ein Depot hat 100.000 €. Variante A steckt 40 % (40.000 €) in eine einzige Aktie, Variante B nur 5 % (5.000 €), der Rest ist breit gestreut. Bricht diese Aktie um 50 % ein und bleibt der Rest unverändert, ergibt sich:

VarianteAnteil der AktieVerlust in €Auswirkung auf das Depot
A: Klumpen40 %20.000 €−20 %
B: gestreut5 %2.500 €−2,5 %

Der Verlust ist bei A achtmal so hoch – und er muss aufgeholt werden: Nach −20 % braucht das Depot +25 %, um wieder den Ausgangswert zu erreichen. Das Beispiel zeigt, warum die Größe einzelner Positionen wichtiger ist als die bloße Zahl der Titel.

Häufige Fragen

Wie viele Aktien braucht man für eine gute Streuung?

Eine feste Zahl gibt es nicht. Der Nutzen jeder weiteren Aktie nimmt ab, und entscheidender als die Anzahl ist, wie unterschiedlich die Titel sich entwickeln (Branche, Region, Währung). Breite ETFs bündeln hunderte bis tausende Unternehmen in einem Produkt.

Was bedeutet Korrelation?

Sie misst, wie stark zwei Anlagen gemeinsam steigen oder fallen. Werte nahe +1 bedeuten Gleichlauf, nahe 0 kaum Zusammenhang, negative Werte Gegenläufigkeit. Diversifikation wirkt am stärksten bei geringer Korrelation – in Krisen steigt die Korrelation vieler Anlagen aber oft.

Kann man zu stark diversifizieren?

Ja. Wer viele ähnliche Fonds hält, bekommt kaum zusätzliche Streuung, aber mehr Aufwand und teils höhere Kosten. Sinnvoller ist ein überschaubares Portfolio, dessen Bausteine sich wirklich unterscheiden.

Quellen

So hilft Pendrai

Pendrai zeigt die Allokation Ihres gesamten Vermögens über alle Depots hinweg nach Anlageklasse, Branche und Land und weist auf Konzentrationen einzelner Positionen hin.

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Anlage-, Finanz- oder Steuerberatung dar. Investitionen in Wertpapiere und Kryptowährungen sind mit Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse.

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