ETFs verstehen: Aufbau, Kosten und Auswahlkriterien

Exchange Traded Funds – kurz ETFs – gehören heute zu den meistgenutzten Bausteinen privater Depots. Sie sind günstig, breit gestreut und jederzeit an der Börse handelbar. Damit man sie sinnvoll einsetzt, lohnt sich ein Blick unter die Haube: Wie bildet ein ETF einen Index ab, welche Kosten fallen tatsächlich an und woran erkennt man ein passendes Produkt?

Was ist ein ETF?

Ein ETF ist ein Investmentfonds, der an einer Börse gehandelt wird und in der Regel einen Index möglichst genau nachbildet – etwa den MSCI World, den S&P 500 oder einen Anleihenindex. Statt dass ein Fondsmanager einzelne Aktien auswählt („aktives Management“), folgt der ETF einer festen Regel: Er hält die Wertpapiere des Index im selben Verhältnis wie der Index selbst. Steigt der Index um 5 %, steigt der ETF – abzüglich Kosten – ebenfalls um etwa 5 %.

Rechtlich ist ein in Europa aufgelegter ETF meist ein OGAW-Fonds (englisch UCITS). Das Fondsvermögen gilt als Sondervermögen: Es wird getrennt vom Vermögen der Fondsgesellschaft verwahrt. Geht der Anbieter pleite, bleibt das Geld der Anleger:innen grundsätzlich geschützt – ein wichtiger Unterschied zu Zertifikaten, die rechtlich Schuldverschreibungen des Emittenten sind.

Wie bildet ein ETF einen Index nach?

Es gibt drei verbreitete Methoden der Nachbildung (Replikation):

Keine Methode ist pauschal „besser“. Für Privatanleger:innen zählt vor allem, wie genau der ETF seinen Index nach Kosten tatsächlich trifft.

Was kostet ein ETF wirklich?

Laufende Kosten (TER)

Die Total Expense Ratio gibt an, welcher Anteil des Fondsvermögens jährlich für Verwaltung, Depotbank und Lizenzgebühren des Index anfällt. Bei breit gestreuten Aktien-ETFs liegt sie häufig zwischen 0,05 % und 0,30 % pro Jahr. Die TER wird nicht separat abgebucht, sondern täglich anteilig aus dem Fondsvermögen entnommen – man sieht sie also nur indirekt im Kurs.

Tracking Difference

Aussagekräftiger als die TER ist die Tracking Difference: die tatsächliche Abweichung der ETF-Rendite von der Indexrendite über ein Jahr. Sie enthält neben der TER auch Handelskosten innerhalb des Fonds, Erträge aus Wertpapierleihe und steuerliche Effekte bei Dividenden. Manche ETFs schneiden dadurch besser ab, als ihre TER vermuten ließe, andere schlechter.

Handelskosten

Beim Kauf fallen außerdem Ordergebühren des Brokers und der Spread an – die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs. Große, liquide ETFs haben meist sehr enge Spreads. Ausgabeaufschläge, wie man sie von klassischen Fonds kennt, gibt es beim Börsenhandel nicht.

Ausschüttend oder thesaurierend?

Ein ausschüttender ETF zahlt die Dividenden der enthaltenen Unternehmen regelmäßig (meist quartalsweise oder jährlich) an die Anleger:innen aus. Ein thesaurierender ETF legt sie automatisch wieder an. Für den langfristigen Vermögensaufbau ist das ein bequemer Zinseszinseffekt; wer dagegen laufendes Einkommen möchte, greift zur ausschüttenden Variante.

Steuerlich sind beide Varianten nicht automatisch gleich zu behandeln. In Österreich werden auch bei thesaurierenden Fonds sogenannte ausschüttungsgleiche Erträge jährlich besteuert; in Deutschland gibt es dafür die Vorabpauschale. Mehr dazu im Artikel Kapitalertragsteuer in Österreich.

Worauf man bei der Auswahl achten sollte

  1. Der Index zuerst: Welche Länder, Branchen und Unternehmensgrößen deckt er ab? Ein MSCI World enthält rund 1.300 bis 1.400 Unternehmen aus Industrieländern, aber keine Schwellenländer. Ein FTSE All-World oder MSCI ACWI deckt beides ab.
  2. Fondsgröße: ETFs mit sehr kleinem Volumen werden häufiger geschlossen oder zusammengelegt. Ein Volumen von mehreren hundert Millionen Euro gilt als solide.
  3. Tracking Difference über mehrere Jahre: Sie zeigt, wie zuverlässig der ETF seinen Index trifft.
  4. Ertragsverwendung: ausschüttend oder thesaurierend – passend zum eigenen Ziel.
  5. Steuerliche Meldung: Für Anleger:innen in Österreich ist wichtig, dass der ETF ein Meldefonds ist. Sonst droht eine pauschale, meist ungünstige Besteuerung.
  6. Fondsdomizil: Viele europäische ETFs sind in Irland oder Luxemburg aufgelegt. Irland hat bei US-Aktien Vorteile bei der Quellensteuer auf Fondsebene.

Typische Fehler

Beispiel: Was Kosten über 20 Jahre ausmachen

Zwei Fonds erzielen vor Kosten dieselbe Rendite von 6 % pro Jahr. Der eine ist ein breiter ETF mit einer Gesamtkostenquote (TER) von 0,20 %, der andere ein aktiv gemanagter Fonds mit 1,50 %. Aus 10.000 € werden nach 20 Jahren:

FondsRendite nach KostenEndwert nach 20 Jahren
ETF mit 0,20 % TER5,80 %30.883 €
Aktiver Fonds mit 1,50 % TER4,50 %24.117 €
Unterschied1,30 Prozentpunkte6.765 €

Dass 1,3 Prozentpunkte Kostenunterschied mehr als ein Fünftel des Endwerts ausmachen, liegt am Zinseszins: Die Kosten werden jedes Jahr vom gesamten Vermögen abgezogen. Das Beispiel ist eine Modellrechnung mit gleichbleibender Rendite; ob ein aktiver Fonds seine höheren Kosten durch bessere Ergebnisse wieder einspielt, ist offen und nicht garantiert. Mit dem Sparplanrechner können Sie den Effekt für Ihre eigene Sparrate nachrechnen.

Häufige Fragen

Was ist die TER eines ETFs?

Die Total Expense Ratio (TER) nennt die laufenden jährlichen Kosten eines Fonds in Prozent des Fondsvermögens. Sie wird nicht separat abgebucht, sondern ist bereits im Fondspreis berücksichtigt – die Rendite eines ETFs ist also schon nach TER ausgewiesen. Hinzu kommen eigene Kosten des Brokers, etwa Ordergebühren und der Spread.

Was ist der Unterschied zwischen thesaurierenden und ausschüttenden ETFs?

Ausschüttende ETFs zahlen die Erträge aus, thesaurierende legen sie im Fonds wieder an. Steuerlich werden in Österreich bei Meldefonds auch thesaurierte Erträge als ausschüttungsgleiche Erträge jährlich der KESt unterworfen, obwohl kein Geld fließt. Die Steuer fällt bei beiden Varianten laufend an; Unterschiede liegen vor allem bei Liquidität und Verwaltungsaufwand.

Was ist ein Meldefonds?

Ein Fonds, der seine steuerlichen Daten an die Oesterreichische Kontrollbank (OeKB) meldet. Für Fonds ohne diese Meldung wird pauschal besteuert, was in der Regel ungünstiger ist. Ob ein ETF gemeldet wird, lässt sich im OeKB-Kundenportal über den Fondsnamen oder die ISIN prüfen.

Wie viele ETFs brauche ich?

Für eine breite Streuung genügt oft schon ein einziger weltweit anlegender ETF; weitere ETFs ergänzen ihn etwa um Anleihen oder einzelne Regionen. Mehr Fonds bedeuten nicht automatisch mehr Diversifikation, weil sich viele Indizes stark überschneiden. Siehe Diversifikation richtig verstehen.

Quellen

So hilft Pendrai

In Pendrai erfassen Sie ETFs gemeinsam mit Einzelaktien und Krypto. Die Allokation nach Branche, Region und Anlageklasse zeigt, ob mehrere ETFs am Ende doch dieselben Unternehmen abdecken.

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Anlage-, Finanz- oder Steuerberatung dar. Investitionen in Wertpapiere und Kryptowährungen sind mit Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse.

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