Risiko-Kennzahlen erklärt: Volatilität, Drawdown, Sharpe Ratio und Beta
Rendite ist nur die halbe Wahrheit. Zwei Depots mit derselben Durchschnittsrendite können sich völlig unterschiedlich anfühlen – das eine steigt gleichmäßig, das andere fährt Achterbahn. Risiko-Kennzahlen machen diesen Unterschied messbar. Dieser Artikel erklärt die gängigsten und zeigt, wofür sie taugen und wofür nicht.
Volatilität
Die Volatilität ist die Standardabweichung der Renditen – also ein Maß dafür, wie stark die Werte um ihren Durchschnitt schwanken. Sie wird meist auf ein Jahr hochgerechnet (annualisiert). Bei täglichen Renditen multipliziert man dazu die tägliche Standardabweichung mit der Wurzel aus der Anzahl der Handelstage, also etwa √252.
Zur Einordnung: Breit gestreute Aktienindizes wie der MSCI World hatten historisch eine jährliche Volatilität von grob 15 % bis 20 %. Einzelaktien liegen häufig deutlich darüber, Kryptowährungen nicht selten bei 60 % und mehr.
Grenzen: Die Volatilität behandelt Kurssprünge nach oben genauso wie nach unten und unterstellt, dass extreme Ereignisse selten sind. In der Realität treten starke Einbrüche häufiger auf, als eine Normalverteilung vorhersagen würde.
Maximaler Drawdown
Der maximale Drawdown ist der größte prozentuale Verlust von einem Höchststand bis zum darauffolgenden Tiefpunkt. Er beantwortet die sehr praktische Frage: Wie viel hätte ich im schlimmsten Fall zwischenzeitlich verloren?
Breite Aktienmärkte haben in der Finanzkrise 2008/09 mehr als die Hälfte ihres Wertes verloren; beim Corona-Crash im Frühjahr 2020 fiel der S&P 500 innerhalb weniger Wochen um rund ein Drittel. Wichtig ist auch die Erholungsdauer: Ein Verlust von 50 % erfordert anschließend einen Gewinn von 100 %, um wieder auf den alten Stand zu kommen.
| Verlust | Nötiger Gewinn zur Erholung |
|---|---|
| −10 % | +11,1 % |
| −25 % | +33,3 % |
| −50 % | +100 % |
| −75 % | +300 % |
Sharpe Ratio
Die Sharpe Ratio setzt die Überrendite ins Verhältnis zum eingegangenen Risiko:
Sharpe Ratio = (Rendite − risikofreier Zins) ÷ Volatilität
Sie zeigt, wie viel zusätzliche Rendite man pro Einheit Schwankung erhalten hat. Ein Depot mit 8 % Rendite und 20 % Volatilität hat bei einem risikofreien Zins von 2 % eine Sharpe Ratio von 0,3. Ein Depot mit 6 % Rendite und 10 % Volatilität kommt auf 0,4 – es war also effizienter, obwohl die Rendite niedriger war.
Grenzen: Die Sharpe Ratio ist rückblickend und stark vom gewählten Zeitraum abhängig. Sie eignet sich zum Vergleich ähnlicher Strategien, weniger als absolute Qualitätsnote.
Sortino Ratio
Die Sortino Ratio funktioniert wie die Sharpe Ratio, berücksichtigt im Nenner aber nur die Schwankungen nach unten. Sie trägt damit der Tatsache Rechnung, dass Anleger:innen Kurssprünge nach oben in der Regel nicht als Risiko empfinden.
Beta
Das Beta misst, wie stark ein Wertpapier oder Depot auf Bewegungen eines Vergleichsmarkts reagiert:
- Beta = 1: bewegt sich im Schnitt wie der Markt.
- Beta > 1: schwankt stärker als der Markt – steigt in guten Phasen mehr und fällt in schlechten tiefer.
- Beta < 1: schwankt schwächer, etwa bei Versorgern oder Basiskonsumgütern.
Das Beta hängt stark vom gewählten Vergleichsindex ab. Für ein weltweit gestreutes Depot ist ein Weltindex aussagekräftiger als ein rein nationaler Index.
Wie man die Kennzahlen sinnvoll nutzt
- Selbstcheck: Der maximale Drawdown ist die ehrlichste Frage an sich selbst: Hätte ich einen solchen Verlust ausgehalten, ohne zu verkaufen?
- Vergleich mit einer Benchmark: Ein Depot, das mehr schwankt als ein breiter Welt-ETF, aber nicht mehr Rendite bringt, ist ineffizient.
- Lange Zeiträume: Kennzahlen aus nur einem Jahr sind wenig belastbar. Fünf Jahre und mehr ergeben ein aussagekräftigeres Bild.
- Vergangenheit ≠ Zukunft: Alle Kennzahlen beschreiben das Verhalten in der Vergangenheit. Sie sind ein Hilfsmittel, keine Vorhersage.
Häufige Fragen
Was sagt die Volatilität aus?
Sie misst, wie stark die Renditen um ihren Durchschnitt schwanken, meist als Standardabweichung der Jahres- oder Tagesrenditen. Eine hohe Volatilität bedeutet größere Ausschläge nach oben und unten, nicht zwingend ein höheres Verlustrisiko über lange Zeiträume.
Worin unterscheiden sich Volatilität und Drawdown?
Die Volatilität beschreibt die Schwankungsbreite insgesamt. Der maximale Drawdown ist der größte Rückgang vom Höchststand bis zum folgenden Tiefstand – und damit die Zahl, die man im schlimmsten Fall tatsächlich hätte aushalten müssen.
Ab wann ist eine Sharpe Ratio gut?
Die Sharpe Ratio setzt die Überrendite gegenüber einer risikolosen Anlage ins Verhältnis zur Volatilität. Je höher, desto mehr Rendite je Risikoeinheit; Werte über 1 gelten häufig als gut. Sie hängt stark vom Zeitraum ab und sagt nichts über Extremereignisse.
Was zeigt das Beta?
Beta beschreibt die Empfindlichkeit einer Anlage gegenüber einem Vergleichsindex. Ein Beta von 1,2 heißt, dass die Anlage im Durchschnitt 20 % stärker als der Index schwankt.
Quellen
- William F. Sharpe: The Sharpe Ratio, The Journal of Portfolio Management, 1994
- Harry M. Markowitz: Foundations of Portfolio Theory (Nobelpreis-Vortrag 1990, nobelprize.org)
- ESMA – Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde
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Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Anlage-, Finanz- oder Steuerberatung dar. Investitionen in Wertpapiere und Kryptowährungen sind mit Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse.
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